Wer war eigentlich – Ariovist

Ariovist war ein Hauptakteur in einer blutigen Dreiecksgeschichte zwischen unseren drei Stämmen, der in der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts lebte. Ariovist war Kriegsfürst der Sueben, einer germanischen Völkergruppe, die östlich des Rheins bis hin zur Elbe siedelten. Sein Geburtsdatum ist unbekannt, er starb im Jahre 54 v.Chr.

Als „Sueben“ bezeichnete man zu Caesars Zeiten eine Gruppe germanischer Völker, die von den deutschen Mittelgebirgen bis hinauf zur Ostsee siedelten. Viele germanische Stämme wie Chatten Cherusker, Markomannen und Hermunduren wurden von den Römern als suebische Völker angesehen und sie waren als Kämpfer berühmt und gefürchtet. Der Klang ihres Namens lebt noch heute in der Bezeichnung „Schwaben“ fort.

Gallier und Römer

Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnungen war Gallien von verschiedenen Stämmen keltischen Ursprungs besiedelt, die miteinander um die Vorherrschaft rangen. Rom hatte die Mittelmeerküste des Galliens besetzt und als Provinz „Gallia Narbonensis“ seinem Herrschaftsbereich einverleibt. Mit den Stämmen, die nördlich dieser Provinz leben, schloss Rom Bündnisse, um eine Pufferzone zu schaffen.

Einer dieser Föderatenstämme, die Haeduer, lebte nördlich der gallischen Provinzen Roms um das heutige Lyon herum und bis hinauf zur Saone. Daran grenzte im Nordosten das Herrschaftsgebiet der gallischen Stämme der Sequaner und der Arverner. Diese stritten mit den Haeduern um die Vorherrschaft in Gallien und konkret um die Kontrolle der Saone, denn dieser Fluss war eine wichtige Handelsroute, die hohe Zolleinnahmen einbrachte.

Gefährliches Bündnis

Um gegen die Haeduer zu bestehen, gingen die Sequaner und Arverner ein Bündnis mit dem Germanenfürsten Ariovist ein. Darauf führte dieser 71 v.Chr. ein Heer aus Sueben und anderen Volksstämmen über den Rhein, das 15.000 Kämpfer und Gefolge umfasste. In den folgenden Jahren kämpften Sequaner, Arverner und Sueben erfolgreich gegen die Haedurer und vernichteten in der Schlacht von Magetobriga 61 v.Chr. deren Heeresmacht endgültig.

Die Haedurer wurden tributpflichtig und mussten Ariovist viele Geiseln stellen, die ihr Wohlverhalten sichern sollten. Härter als die Haedurer traf es indes die Sequaner: ihre germanischen Verbündeten ließen sich in ihren Gebieten nieder, vertrieben sie zum Teil mit Gewalt von ihren Ländereien und holten Tausende weitere Germanen über den Rhein nach.

Rom wird aktiv

In dieser Situation kam der Haeduer Diviciacus zu Gaius Julius Caesar, der damals Gouverneur der römischen Provinzen in Gallien war. Wie der spätere Imperator in seinem Buch „Vom Gallischen Krieg“ berichtet, beklagte sich der Adlige Haedurer bitterlich über das Unrecht und beschrieb Ariovist als einen grausamen, jähzornigen und gewalttätigen Mann. Bald werde ganz Gallien von den barbarischen Germanen besetzt sein, wenn Rom ihm nicht entgegentrete.

Cäsar sicherte den Galliern Hilfe zu und versprach, mit Ariovist zu verhandeln. Immerhin wurden hier Verbündete des römischen Reiches unterdrückt und misshandelt, das konnte Rom sich nicht bieten lassen. Vor allem aber drohte hier ein starker Gegner an der römischen Grenze Fuß zu fassen – ihn zu besiegen würde sein Caesars Ansehen daheim in Rom steigern.

Hochmut kommt vor dem Fall

Doch als Caesar Ariovist auffordert, zu Verhandlungen zu erscheinen, weist der Suebenfürst das Ansinnen mit stolzen Worten zurück. Er habe nichts mit Caesar zu besprechen und wenn Caesar etwas von ihm wolle, dann solle er sich doch gefälligst zu ihm bemühen.

Darauf übermittelte ihm Caesar Roms Forderungen: Freilassung aller Geiseln, keine weiteren Kampfhandlungen und kein weiterer Nachzug von Germanen über den Rhein. Ariovist antwortete stolz, er habe die Gallier besiegt, daher stehe ihm das Recht des Stärkeren zu – „Wenn es Caesar gelüstet, mag er kämpfen. Dann wird er sehen, was für Helden die unbesiegbaren Germanen sind.“ Caesar nahm die Herausforderung an.

Einige Historiker sind der Ansicht, er habe es darauf angelegt von vornherein. Seine Berichte an den römischen Senat zur Lage in Gallien sind als „De Bello Gallico“ die Hauptquelle für diese Ereignisse, und als ihr Verfasser konnte Caesar die Situation seinen Zielen entsprechend darstellen. Ihm musste daran gelegen sein, den Feind möglichst barbarisch zu beschreiben, um den Krieg gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Gleichzeitig sollte Ariovist aber auch möglichst kampfstark dargestellt werden, um Caesars Sieg in hellerem Glanz erstrahlen zu lassen.

Schlacht im Elsass

58 v. Chr. kam es im Elsass zur Entscheidungsschlacht. Sechs römische Legionen mit etwa 24.000 Mann waren angetreten; ihnen standen etwa 30.000 Germanen gegenüber. Ein letzter Anlauf zu Unterhandlungen zwischen Caesar und Ariovist wurde abgebrochen, als eine Abteilung der germanischen Reiterei den Waffenstillstand brach und eine Gruppe Hilfstruppen der Römer in ein Scharmützel verwickelte.

Die Schlacht selbst dauerte drei Tage an und war von taktischen Manövern geprägt, wobei Ariovist beträchtliches Talent als Kriegsfürst bewies. Das entscheidende Zusammentreffen der beiden Heerhaufen konnte der Römer jedoch für sich entscheiden. Nach dem die linke Flanke der Römer durch den Ansturm der Germanen ins Wanken geriet, konnte eine nicht befohlene, aber erfolgreiche Umgehungsbewegung einer Abteilung römischer Reiter den Angriff unterbinden und die Schlachtreihe der Germanen ins Wanken bringen.

Anders als die römischen Legionen hatten die Germanen keinen Plan B – ihre Taktik war nur auf Angriff ausgerichtet und es gab keine befestigten Auffangstellungen, in die sie sich hätten zurückziehen können. Hals über Kopf flohen sie über Stunden bis zum etwa 25 Kilometer entfernten Rhein, während ihnen die römische Reiterei auf den Fersen war und sie zu Tausenden niedermetzelte. Ariovist jedoch gelang die Flucht, er konnte sich über den Fluss nach Germanien zurückziehen. Viele seiner Gefolgsleute aber, und auch seine beiden Ehefrauen, wurden auf der Flucht getötet.

Caesar setzte den Geflohenen auch über den Rhein nach und ließ dazu in nur zehn Tagen eine hölzerne Brücke über den Rhein schlagen. die dort ansässigen Germanenstämme verbündeten sich mit den Römern und die übrigen Sueben mussten sich in das Gebiet des heutigen Schwarzwaldes zurückziehen. Ariovist jedoch wurde nicht gefangen, im Jahr 54 v.Chr. soll er gestorben sein.

Ihr seht, es folgt alten Traditionen, wenn sich in Travian die Stämme in den Haaren liegen.
Und auch in unserem Spiel erweisen sich Verbündete zuweilen als der größere Feind…

Foto: „Commentarii de Bello Gallico“.
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