Interview: Das Herz eines Spielers

Eckart Foos ist Game Director für Travian. Das macht ihn zur zentralen Figur und zum Verantwortlichen rund um das Spiel bei Travian Games. Der 40-Jährige gebürtige Freiburger stand uns im Interview in München ausführlich Rede und Antwort zu seiner Rolle im Unternehmen, T5 und seinem Spielerherz.

Es gab kürzlich ein Ereignis in einem der Foren, das indirekt zu diesem Interview geführt hat. Was kannst Du uns dazu erzählen?

Eckart Foos: Wir hatten im Spiel Schwierigkeiten mit einem Server der südafrikanischen Version und es kam zu wiederholten Problemen mit einer Spielwelt. Die Spieler haben darunter ziemlich gelitten. Mir persönlich ist es ein sehr großes Anliegen, dass die Spieler sich bei Travian Games ernst genommen fühlen. Darum wollte ich mich als „Bundeskanzler von Travian“ ausführlich und offen dazu äußern, damit die Spieler wissen, dass ihre Sorgen und Probleme mit dem Spiel auch wirklich bei uns ankommen. Hier gibt es viele Leute, die sich Gedanken machen und diese Sorgen ernst nehmen.

Ich hatte aber natürlich keinen Account im südafrikanischen Forum. Darum habe ich mich registriert und mich zu Wort gemeldet. Das fanden die Spieler auch gar nicht so schlecht, aber sie waren etwas verwundert, weil sie natürlich nicht wussten, wer denn dieser Eckart Foos ist.

Das hat ja auch einen Grund. Wir treten sonst gar nicht so in Erscheinung. Die Betreuung vor Ort erfolgt durch Leute, die die Spieler laufend mit Informationen versorgen und da einen großartigen Job machen. Darum halten wir uns im Prinzip erstmal etwas raus. Hier war aber eine andere Situation gegeben.

Durch diese Reaktion der Spieler im Forum haben wir gemerkt, dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, wenn die Spieler mich auch einmal kennenlernen.

Wie lang arbeitest Du schon für Travian Games?

Eckart Foos: Im Sommer werden es sieben Jahre.

Kannst Du uns erzählen, wie Dein bisheriger Weg im Unternehmen aussah? Du hast ja bestimmt nicht als „Bundeskanzler von Travian“ angefangen.

Eckart Foos: Angefangen habe ich als Produktmanager für Travianer, dann war ich eine ganze Weile als Bereichsleiter im Produktbereich tätig und vor ziemlich genau einem Jahr habe ich den Posten des Game Directors bei Travian übernommen. Hier bin ich für die laufende Version verantwortlich.

Unternehmen der Spieleindustrie gelten oft als Traumarbeitgeber. Wie ist das, für Travian Games zu arbeiten? Alles Spaß, keine Arbeit?

Eckart Foos: Ganz genau so ist es (lacht). Nein, es ist natürlich ein wenig anders. Ich bin schon ein Spieler so lang ich denken kann. Die Vorstellung von einem Job in dieser Industrie ist aber immer ein wenig anders als die Realität, so habe ich es zumindest erlebt. Auch wenn eine spielerische Komponente zum Glück auch im Alltag immer erhalten bleibt, muss ich doch trotzdem eine professionelle Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Ich muss in erster Linie meine Arbeit verrichten, wie jeder andere Mensch auch. Meetings, Protokolle, die Organisation von vielen Menschen, die miteinander arbeiten – das alles steht ja hinter einem Spiel, das international online von so vielen Spielern gespielt wird. Zudem ist es meine Aufgabe, bei der Ausrichtung des Spiels für die Zukunft mitzuwirken. Wo soll es lang gehen? Welche Bereiche wollen wir stärken? Das sind Sachen, denen man sich mit dem Herzen eines Spielers nähern kann, sie aber mit dem Verstand eines Profis erledigen muss. Wichtig ist, dass man das Spielerherz nicht verliert.

Kann man sich das Spielerherz überhaupt bewahren, wenn man in der Branche arbeitet?

Eckart Foos: Das hat weniger mit dem Job selbst zu tun. Da geht es eher um die generelle Begeisterung für Spiele und die innere Neugier. Wichtig ist, dass man sich die Begeisterung für das Spielen erhält. Es ist für den Profi wichtig, den Überblick über die Branche zu behalten. Welche Spiele kommen raus? Was tut sich auf dem Markt? Was sind aktuelle Entwicklungen? Dazu gehört auch viel Neugier. Mit dem offenen Blick auf die äußere Welt stärkt man letztendlich auch das eigene Produkt.

Gibt es dann eigentlich ein Lieblingsspiel für Dich oder sind Deine Interessen eher breit gefächert?

Eckart Foos: Ich kann schon sagen, dass die GTA Reihe insgesamt mein Favorit ist. Ich hab mich vom klassischen PC-Spieler irgendwann aus Bequemlichkeit eher zum Konsolenspieler entwickelt. Inzwischen kommen auch viel Mobile- und Tablet-Spiele dazu. Man kann für relativ wenig Geld echt tolle Spiele ausprobieren.

Zu meiner Schulzeit hat man sich für 50 oder 60 Mark ein Spiel gekauft und wenn man es dann nicht durchgespielt hat, war der Ärger groß. Das war eine große Investition für einen Schüler. Heute kann man mit deutlich weniger Geld einfach mal ein Spiel ausprobieren. Das tut dann nicht mehr ganz so weh, wenn es nur 99 Cent gekostet hat. Ich kann so für die eigene Arbeit viel Inspiration schöpfen.

Was macht ein Game Director den ganzen Tag lang?

Eckart Foos: Das ist tatsächlich gar nicht so einfach zu sagen. Ich bin so etwas wie ein kleiner Geschäftsführer, wenn man Travian 4 als Firma sieht. Es gibt keinen Aspekt rund um das Spiel, der mit komplett egal sein kann. Mich muss alles interessieren von der Technik über Spielmechaniken bis hin zu der wirtschaftlichen Verantwortung, die ich trage. Ich habe viele Menschen um mich herum, die am Erfolg des Spiels arbeiten. Wenn aber mal etwas klemmt, dann geht es mich an. Ich bin nicht auf ein Spezialgebiet festgelegt sondern halte alle Bereiche zusammen und gebe die grundsätzliche Richtung vor, in die wir mit dem Team gehen.

Dann ist der anfängliche Vergleich mit dem Bundeskanzler gar nicht so schlecht.

Eckart Foos: Nein, das passt wirklich ganz gut. Als Travian Kanzler stehen mir verschiedene Minister zur Seite, mit denen ich quasi die Regierung bilde.

Gibt es etwas an Deinem Job, das Du besonders magst? Gibt es etwas, was Du gar nicht magst?

Eckart Foos: Was immer interessant ist, ist das Feedback der Spieler in Foren, bei Facebook oder in unserem Blog. Egal, ob sie sich freuen, uns loben oder kritisieren, das ist immer wichtig. Ich komme nur leider nicht immer dazu, das alles zu verfolgen, weil es Zeit kostet. Ich versuche aber, das so oft wie möglich zu machen. Vorwiegend bin ich im deutschsprachigen Forum unterwegs, aber auch im englischen Teil lese ich viel.

Schwierig ist es dagegen, vor allem am Anfang, das Gespür zu entwickeln, was eine echte Herausforderung ist und was dagegen nur ein „Strohfeuer“. Wo klemmt es wirklich und wie kann man dann reagieren. Als kleines Beispiel: Es gibt immer wieder einzelne Nachfragen zu T3.6 – ist das eine echte Nachfrage oder ist das eine nostalgische Erinnerung einiger Spieler – das sind wichtige und teils schwierige Fragen.

Interview

Gibt es Leute im Umfeld, die sagen, Spiele sind keine Arbeit?

Eckart Foos: Meine Eltern waren ziemlich überrascht und haben das am Anfang misstrauisch beäugt. Als sie nach dem ersten Monat mitbekommen haben, dass ich Geld dafür bekomme, hat sich das schnell wieder beruhigt.

Im Freundeskreis ist es eher so, dass man neugierig darauf ist, was ich genau mache. Die finden meine Arbeit interessant.

Du hast erwähnt, dass Du sieben Jahre an Bord bist. Wie spielst Du Travian? Mit Deinem Wissen müsstest Du ja eigentlich ein Profi sein!

Eckart Foos: Ich kenne die Regeln, bin aber von meinem Skill Level weit hinter unserer Spielerschaft. Ich bin durch meine Arbeit auch so eingespannt, dass mir oft die Zeit fehlt. Ich sehe häufig, dass in den Allianzen, in denen ich spiele, andere Leute besser vorankommen, als ich.

Mir ist aber wichtig, dass ich ein Gefühl für die aktuelle Spielversion und die Interessen der anderen Spieler bekomme. Das lässt sich durchaus auch auf einem Rang verwirklichen, der ein bisschen weiter hinten ist. Zudem haben Mitarbeiter von Travian sehr strenge Auflagen und dürfen gar nicht auf Top Rängen auftauchen.

Ich habe auch immer ein wenig die Sorge, dass ich „auffliege“ und von meiner Allianz als Travian Games Mitarbeiter enttarnt werde. Darum kann ich hier meinen Nick auch nicht verraten. Wichtig ist einfach: Was beschäftigt die anderen Spieler und was sagen sie zur aktuellen Version.

Es gibt ja unzählige Meinungen zu den verschiedenen Versionen des Spiels. Was ist Deine Lieblingsversion von Travian und warum?

Eckart Foos: Mit den alten Versionen verbinden Spieler und wir bei Travian Games viele fast schon glorreiche Erinnerungen. Ich halte die aktuelle Version 4.4 aber mit für die Beste. Das Balancing ist sehr ausgewogen und die Mechanik mit Abenteuern und Items halte ich für wirklich gelungen. Auch Spieler, die nicht viel Geld investieren wollen, können Erfolg haben und am Geschehen teilhaben.

Was macht für Dich auch nach fast zehn Jahren immer noch die Faszination an diesem Urgestein aus?

Eckart Foos: Im Kern hat sich Travian nicht verändert. Dieser Kern heißt: „Die besser organisierte Mannschaft gewinnt“. Die Spieler kommunizieren, sprechen sich ab und organisieren sich. Das Mit- und Gegeneinander, die Diplomatie, das Geschick – das ist der Kern, der sich bis heute nicht geändert hat und der sehr faszinierend ist.

Mit T5 kommen einige überraschende und innovative Features in Spiel. Was denkst Du über die bisher angekündigten Neuerungen? Freust Du Dich auf T5?

Eckart Foos: Na klar! Ich denke, dass vor allem das Königssystem neben allen anderen Neuerungen den Grad an Abwechslung bringt, den man sich erhofft. Große Spieler, kleine Spieler, die Dynamik und Interaktion zwischen diesen ganzen Leuten – das wird richtig interessant!

T5 wird auch mobil spielbar sein, was bedeutet das für das Spiel?

Eckart Foos: Das ist einer der ganz großen Schritte für T5. Die Spieleraktivität geht immer mehr ins mobile Geschäft – ich spiele auch selbst sehr viel mobil oder auf dem Tablet. Wir haben in der Vergangenheit bereits versucht, T4 auch mobil anzubieten, waren aber mit der Qualität der Umsetzung nicht so glücklich, dass wir das den Spielern anbieten wollten. Mit der neuen Umsetzung von T5 erreichen wir das Niveau, das wir uns vorgestellt haben. Ich glaube, dass wir den Spielern damit eine ganz neue Dimension anbieten können.

Du bist Vater und hast zwei Söhne. Spielen die beiden auch schon?

Eckart Foos: (lacht) Nein, das ist noch ein wenig früh in ihrem Alter. Sie sind zwei und vier Jahre alt. Natürlich schauen die mir ab und zu über die Schulter und fragen mich, warum wir da um das Dorf herum so einen runden See haben. Sie interessieren sich schon dafür, aber für das aktive Spielen sind sie noch ein wenig jung. Als ich kürzlich ein Travian T-Shirt und eine Travian Tasse mit nach Hause gebracht habe, war die Freude allerdings groß.

Du hast in den letzten Jahren eine Menge Travian-Spieler getroffen. Was hat einen besonderen Eindruck hinterlassen?

Eckart Foos: Die Ernsthaftigkeit, mit der Travian-Spieler das Spiel angehen. Den großen Willen, den Server zu gewinnen, finde ich auch bemerkenswert. Das ist wirklich faszinierend. Da werden so feinschichtige Strategien entwickelt. Die Gespräche darüber mit den Spielern sind immer sehr anregend.

Und dann gibt es immer die oft erzählten Anekdoten. Etwa über die Gruppe Italiener, die eines Tages bei uns vor der Tür stand und den Travian-Merchandising-Shop gesucht hat. Oder über den Sohn eines arabischen Emirs, der hier im Büro auftauchte und dann Unterrichtsstunden in Travian haben wollte. Da ist in den letzten zehn Jahren natürlich eine Menge passiert.

Gibt es eigentlich D E N Travianspieler?

Eckart Foos: Nein, das erfahren wir auch immer aus unserer breit gefächerten Community. Einige suchen den sozialen Kontakt, andere bauen gern ihre Dörfer aus. Dann gibt es Spieler, die sich gern in Schlachten messen. Das ist ungeheuer vielschichtig.

Heute Abend besucht Dich eine gute Fee, von der Du Dir rund um Travian eine Sache wünschen darfst. Was ist Dein Wunsch?

Eckart Foos: Serverstabilität!

Hast Du zum Abschluss eine besondere Nachricht an die Leser?

Eckart Foos: Ich möchte unseren Spielern für ihre Treue danken! Bleibt uns weiter gewogen, denn mit Travian 5 kommt ein Spiel auf uns zu, das sich richtig lohnen wird. Es wird sich viel ändern, aber der Spielkern bleibt gleich. Wir entwickeln das Spiel fleißig weiter und möchten die Zukunft gern mit unseren Spielern und Fans erleben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Hinterlasse eine Antwort