Interview: Das Ziel heißt Spaß!

Brian Terek ist Product Manager für Travian bei Travian Games in München. Er sprach mit uns im Interview über seinen unorthodoxen Weg in die Spielebranche und seine große Leidenschaft für das Spiel.

Hallo Brian, herzlichen Dank, dass Du Dir heute Zeit für uns nimmst. Es ist ein offenes Geheimnis: Du arbeitest nicht nur für Travian Games in München sondern bist auch ein leidenschaftlicher Travian-Spieler und -Fan. Wie viele Stunden Schlaf hast Du in Deinem Leben schon geopfert, um nachts in Travian einen Angreifer abzuwehren oder selbst anzugreifen?

brian_tBrian Terek: (lacht) Puh, keine Ahnung. Ich kann Dir nur sagen, wie es war, bevor ich bei Travian Games angefangen habe. Das war auf dem DE1 Server. Ich war im Einwohner-Ranking sehr hoch – damals Rang 1 – und das wollte ich natürlich halten. Die Schwierigkeit bestand darin, dass ich parallel an einem Weltwunder mit gebaut habe. Das heißt, dass meine Schlafphasen zum damaligen Zeitpunkt nur etwa zwei bis vier Stunden dauerten. Manchmal habe ich zwei Stunden geschlafen, dann klingelte der Wecker und ich habe im Spiel nachgeschaut, ob ein Angriff läuft. Wenn nicht, bin ich direkt wieder ins Bett gegangen für zwei Stunden bis der Wecker wieder geklingelt hat. So lief das ein paar Monate.

Das ist ja fast schon wie ein junger Vater, der nachts nach seinem Kind guckt!

Brian Terek: In einem Travian-Account steckt jede Menge Herzblut. Vielleicht ist der Vergleich mit der Vaterschaft etwas hoch gegriffen, aber man kümmert sich um den Account, wie um ein kleines Kind. Da steckt viel Liebe drin.

Du sprichst von Herzblut und Liebe. Wie wichtig ist Travian – das Spiel – für Dich? Welchen Stellenwert nimmt es ein?

Brian Terek: Ich spiele jetzt seit Travian 1, also seit neun Jahren und habe seitdem ununterbrochen mindestens einen Account am Start, den ich auch wirklich durchspiele. Und bisher habe ich es immer geschafft – bis auf einen Speedserver – in den Top 20 zu landen.

Woran lag es, dass es beim Speedserver nicht geklappt hat?

Brian Terek: Ich arbeite eben auch und ich spiele immer allein. Das heißt, dass ich keine Duals und keine Sitter habe. Ich mag es einfach nicht, wenn man mir im Account herumspielt und Dinge tut, die meiner Strategie nicht entsprechen. Einzige Ausnahme ist meine Freundin, die sehr früh aufsteht. Die erste Stunde morgens ist sie im Account und schickt Ressourcen herum. Sobald ich aufstehe, übernehme ich dann wieder.

Abgesehen davon ist Travian auch der wesentliche Teil Deines beruflichen Lebens, erzähl uns ein bisschen, was Du bei Travian Games in München tust!

Brian Terek: Mittlerweile bin ich Product Manager, ausschließlich für das Spiel Travian. Ich bin seit sieben Jahren in der Firma. Angefangen habe ich ursprünglich im Tech Support. Da hatte ich sehr viel mit Datenbanken zu tun und mit Anfragen von Spielern, vom Team selbst und dem Community Management. Nach etwa eineinhalb Jahren gab es dann die Gelegenheit für mich, an der Seite eines erfahrenen Product Managers auf meine jetzige Stelle zu springen. Das war eine sehr gute Arbeitsteilung damals. Neben dem erfahrenen Product Manager, der sich mit dem wirtschaftlichen Bereich auskannte, war ich der Mann, der das Spiel beherrschte. Meine Aufgabe war es vor allem, die Sicht des Spielers und der Community mit einzubringen. Das war mein Einstieg.

Seit rund einem Jahr erfülle ich zudem auch die Aufgaben des Game Designers. Wir sind ja aktuell in der Entwicklungsphase für Travian 5 und dadurch, dass wir ein bestehendes Spiel weiterentwickeln, sind die Aufgaben in diesem Bereich recht überschaubar. Wir haben aber viel bewegt wie ich finde, vor allem mit dem Birthday Special im vergangenen Jahr und mit dem kommenden Summer Special Ancient Europe. Das wird für die alt eingesessenen Spieler eine interessante Herausforderung.

Du hast gerade einen sehr unorthodoxen Weg beschrieben, wie man ins Berufsleben oder in die Spielebranche einsteigt und seinen Weg gehen kann. Du hast Dich eben nicht als Product Manager beworben und nimmst seitdem die Stelle ein. Siehst Du Vorteile für Leute, die über einen breiten Erfahrungsschatz verfügen und quer einsteigen?

Brian Terek: Definitiv. Mir persönlich haben meine Erfahrungen sehr weitergeholfen. Mein Lebensweg bisher ist schon recht exotisch. Ich bin ursprünglich ausgebildeter Programmierer, eigentlich ein Anwendungsentwickler. In meiner Studienzeit hatte ich einen Rollenspielladen. Einen echten Laden, denn das Internet in dieser Form gab es damals noch nicht. Das reichte von Warhammer Figuren bis zu Magic The Gathering Karten und Rollenspielen. Als ich mit der Ausbildung fertig war, war ich schon leidenschaftlicher Travian-Spieler und da gab es eine Stellenausschreibung bei Travian Games.

Man suchte jemanden mit zwei Kernkompetenzen: Der Kandidat sollte das Spiel sehr gut kennen und sich im Thema Datenbanken zurecht finden. Ich konnte beides und das war mein Einstieg. Meine Kenntnisse haben mir auch später immer geholfen. Zu T3 Zeiten etwa haben wir drei Spezialgebäude eingeführt. Die Pferdetränke für die Römer, die Brauerei für die Germanen und den Fallensteller für die Gallier. Diese drei Gebäude sind von mir konzipiert worden. Ich habe mich damals zudem um das Balancing gekümmert und habe sie auch von der Programmierung umgesetzt.

Dann muss die folgende Frage erlaubt sein: Was ist Deine Lieblingsversion des Spiels?

Brian Terek: Ganz klar Travian 4.4. Nicht nur, weil das Balancing gut ist, da es durch das Feedback der Community entstanden ist. Bei T1 war ich einfach noch zu grün. Bei T2 war ich besonders erfolgreich und hatte eine gute Zeit. T3 hatte auch schon viele schöne Neuerungen, aber mit T4.4 ist das Balancing einfach großartig. Ich bin ein Liebhaber von Taktik-Spielen, ich taktiere gern. T4.4 unterstützt das perfekt. Es gibt viele Möglichkeiten erfolgreich zu sein. Es gibt nicht nur einen Weg zum Sieg. Außerdem bin ich sehr stolz auf das Auktionssystem, auch wenn das von der Community in manchen Bereichen nicht so gesehen wird.

In der guten, alten Zeit musste man zwangsläufig fünf bis zehn Euro monatlich ausgeben, um die nötigen Boosts zu kaufen. Bei T4.4 ist es so, dass man am Anfang richtig gut Silber verdienen kann, wenn man selbst auf Gegenstände verzichtet und sie auktioniert. Und über Silber kommt man an das Gold. Man ist also nicht unbedingt gezwungen, reales Geld auszugeben, um erfolgreich zu sein.

Da muss ich direkt einhaken, denn hier auf den Fluren von Travian Games gibt es ja immer den in Unternehmen üblichen Flur-Talk. Und da hört man über Dich immer wieder zwei Dinge. A: Das ist der einzige Mitarbeiter, der mal einen Server gewonnen hat und B: Der spielt ohne Goldkauf und gibt keinen Cent für das Spiel aus. Stimmt das?

Brian Terek: Das stimmt wirklich. Bevor ich bei Travian anfing, habe ich bei Travian 2 meine 20 Euro monatlich ausgegeben. Für mein Hobby war es mir das wert. Als ich hier im Unternehmen gestartet bin, musste ich mir kein Gold mehr kaufen, weil ein bestimmtes Kontingent frei war. Aber als ich Product Manager wurde, ging es mir primär darum, einige Dinge herauszufinden.

Dazu gehörte, ob man auch ohne Goldkauf auf einem Server mithalten kann. Ich benutze Gold, aber es handelt sich dabei ausschließlich um Gold, das ich über Auktionen und Silber generiert habe. Außerdem wollte ich herausfinden, ob man mithalten kann, wenn man allein ohne Sitter spielt. Und mir war das Feedback aus der Community zum Gameplay sehr wichtig. Wie spielt eine Allianz zusammen, was denken unsere Spieler?

Als leidenschaftlicher Travian-Spieler muss es für Dich doch ein Traum gewesen sein, als Du in München angefangen hast. Ist der Job auch heute noch ein Traum für Dich oder stellt sich irgendwann die Realität ein, dass dahinter eine Menge harter Arbeit steckt?

Brian Terek: Ganz ehrlich, auch nach sieben Jahren bei Travian Games macht es mir richtig viel Spaß. Ich hatte in dieser Zeit verschiedene Vorgesetzte. Einige haben mich „machen“ lassen, andere haben mich eher enger geführt, aber mittlerweile ist Game Director Eckart Foos mein Vorgesetzter und seitdem macht es mir noch mehr Spaß. Er vertraut darauf, dass ich das Beste für das Spiel und die Spieler tue. Ich habe darum einen großen Freiraum, auch mal etwas auszuprobieren. Das wäre ohne sein Vertrauen so nicht möglich. Dadurch ist es immer schön, neue Dinge umzusetzen und das fertige Resultat zu sehen. Nicht alles funktioniert, aber so sammelt man Erfahrungen.

Für viele junge Leute und Spieler gilt die Gamesbranche als Traum-Arbeitgeber. Kannst Du diesen Menschen eine Empfehlung geben, wenn sie in der Branche starten wollen?

Brian Terek: Viele Leute in unserer Branche sind Quereinsteiger, auch wenn man mittlerweile Game Design studieren kann. Es gibt viele gute Leute, die vorher in anderen Bereichen gearbeitet haben. Ein Quereinstieg ist immer möglich und den einen, „richtigen“ Weg gibt es nicht. Da geht es eher um das Mindset eines Menschen. Man muss flexibel sein, sich bewusst sein, dass es eben kein Schlaraffenland ist sondern Arbeit. Jedes Mädel scheint ja heute Topmodell werden zu wollen ohne darüber nachzudenken, dass auch das eine ziemlich harte Arbeit sein kann.

Was spielst Du außer Travian?

Brian Terek: Eigentlich gar nicht so viel. Ich bin kein Konsolenmensch. Ich mag Free 2 play Titel, spiele gern alle möglichen Sachen an und bin ein großer Fan von Civilization 4. Da steckt einfach sehr viel Tiefe in Bezug auf Strategie dahinter. Außerdem natürlich Starcraft und Warcraft. RTS mag ich einfach. Neue Titel fesseln mich nicht so sehr, dass ich auf Dauer dabei bleibe. Ansonsten verbringe ich meine Freizeit mit Travian, kleinen Spielen – und ich genieße München.

Bist Du noch auf normalen Travian-Servern zu finden oder spielst Du nur noch auf internen Test-Servern? Mit dem Summer Special Ancient Europe und Travian 5 ballen sich ja gerade die Versionen.

Brian Terek: Ich spiele grundsätzlich immer auch eine normale Runde Travian. Der Server, auf dem ich spiele, ist immer eine deutsche Welt und natürlich teste ich aktuell mit vielen Mitarbeitern T5 und spiele Ancient Europe.

Ist das der Teil an Deinem Job, den Du am meisten magst? Oder ist das die Pflicht?

Brian Terek: Nein, das ist eine sehr dynamische Aufgabe. Das betrifft den MMO Aspekt unseres Spiels. Im eigentlichen Sinn sind die Spieler selbst der Content und das Feature von Travian. Die Beziehungen der Spieler untereinander sind dem stetigen Wandel unterworfen. Da möchte ich immer am Ball bleiben und Entwicklungen wahrnehmen. Spieler auf verschiedenen Servern können ganz unterschiedlich ticken – manchmal entwickeln sich Beziehungen unter den Spielern sogar in einer Runde auf einem einzigen Server ganz unterschiedlich. Wer gerade noch befreundet war, bekämpft sich gegenseitig und umgekehrt. Das ist für mich mein Hobby, mit anderen Menschen Spiele spielen, das wird nie zur Pflicht.

Du bist mit dafür verantwortlich, dass wir in diesem Sommer nicht im Freibad sind, sondern vor dem Rechner sitzen. Erzähl uns ein bisschen etwas vom neuen Szenario, dem Summer Special Travian: Ancient Europe und Deiner Arbeit daran!

Brian Terek: Ich hoffe, dass unsere Spieler trotzdem das Freibad genießen, man kann Travian und auch das Summer Special durchaus nebenbei genießen. Wenn man mehrfach am Tag einfach kurz nach dem Rechten schaut, ist das in der Regel schon genug, um erfolgreich zu sein.

Für Ancient Europe sind zwei Dinge zusammengekommen. Einmal unsere eigene Tradition, dass wir ein Summer Special abhalten, das den Spielern über die Sommermonate ein bisschen Spaß machen soll. Außerdem sind intern die Restriktionen gefallen, dass es in einer Runde automatisch immer um die Weltwunder gehen muss.

Beim Summer Special folgen wir dem langen Spielerwunsch, das Endgame neu zu gestalten. Meine Rolle lag in der Sammlung von Feedback von Supportern, vom Community Management, Moderatoren und Multihuntern. Was möchten die Spieler haben und was stört sie? Daraus ist die Idee entstanden, das Szenario auf die Beine zu stellen. Ancient Europe war in der Entwicklung sehr überschaubar, bietet den „alten Hasen“ aber genügend strategische Anreize, das Endgame komplett neu zu entdecken. Ich glaube, dass es ziemlich gut geworden ist. Es hat neue Siegbedingungen, ein gewisses capture the flag Element und ein komplett neues Endgame. Das wird cool.

Du hast in den letzten Jahren eine Menge Menschen intern bei Travian Games getroffen, aber auch viele Travian-Spieler persönlich kennengelernt. Was hat einen besonderen Eindruck hinterlassen?

Brian Terek: Ich erinnere mich sehr gut an Forenbeiträge, in denen alle Travianspieler als „Hartz IV“ Empfänger oder pubertierende Kinder bezeichnet wurden. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe über Travian sehr viele unterschiedliche Menschen kennenlernen dürfen. Von der alten Dame, die kurz vor der Rente stand bis hin zum Jungspund, der sich auf seinen künftigen Führerschein gefreut hat. Alle erzählten mit großem Eifer von ihren Erfolgen. Es waren wirklich alle Gruppen der Gesellschaft dabei, nur Politiker habe ich noch nicht getroffen (lacht).

Heute Abend besucht Dich eine gute Fee, von der Du Dir rund um Travian eine Sache wünschen darfst. Was ist Dein Wunsch?

Brian Terek: Ich würde mir wünschen, dass Spieler in Foren zur Abwechslung auch die positiven Seiten beachten und hervorheben. Wenn es etwas zu meckern gibt, dann schreibt jeder gern ins Forum. Heutzutage ist es in der Gamesbranche doch schon so, dass es als positives Signal gilt, wenn niemand zum Shitstorm bläst. Das ist schade.

Wir wollen den Menschen da draußen Freude bereiten, dafür müssen wir auch mal erfahren, was in den Augen der Spieler denn schön ist, was ihnen besonderen Spaß macht und welche Änderungen ihnen gefallen. Nur so können wir die Entwicklung des Spiels im Sinne unserer Spieler gestalten!

Hast Du zum Abschluss eine besondere Nachricht an die Leser?

Brian Terek: Das betrifft auch meinen Wunsch. Es gibt hin und wieder positives Feedback und im kleinen Kreis erzählen viele Menschen von ihren positiven Erfahrungen mit dem Spiel. Wenn es aber ins Forum oder in den Blog geht, dann halten viele Spieler ihren Mund, obwohl sie etwas Schönes und Positives zu erzählen hätten. Ich möchte alle Spieler aufrufen, ihre Meinung zu äußern. Nicht nur die, die gern meckern oder ihre sachliche Kritik äußern möchten sondern auch die, die einfach nur mal sagen möchte, wie gut oder schön sie das Spiel finden.

Und immer daran denken: habt Spaß! Das ist das Ziel von Travian.

Herzlichen Dank für das Gespräch und Deine Zeit!

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