Frag den Concept Artist

Was macht eigentlich ein Concept Artist? Falls euch das schon immer interessiert hat, solltet ihr jetzt weiter lesen. Denn wir haben unsere Concept Artistin Mel für euch ausgequetscht.

Hallo Mel, danke dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Vielleicht fangen wir am besten an, indem Du erzählst, wer Du bist und was Du bei Travian Games machst.

Ich bin Melanie und bin Concept Artist bei Travian Games, heute genau seit fünf Jahren. Mein Job besteht darin, dass ich alles zeichne, was im 2D-Bereich zu tun ist, da wir nicht so viel im 3D-Bereich machen. Das betrifft Illustrationen, die Gebäude und Vieles mehr. Ganz grob gesagt von der Skizze über das Line Work bis hin zur Farbe mache ich alles komplett.

Dazu gehören auch Arbeiten an den Charakteren, bei denen uns die Firma Sidekick unterstützt hat, den komplette Avatar mit den Augen, Mündern und Nasen. Ich war an allem beteiligt, was man sieht. Die Karten, die Berge, die Steine, Bäume, Büsche, alles.

Du hast gerade gesagt, dass Du schon seit fünf Jahren im Unternehmen bist. An was für Stationen hast Du bisher gearbeitet und für welche Spiele warst Du tätig? Das war ja nicht immer Travian?

Angefangen habe ich ursprünglich bei Remanum, falls das noch jemand kennt. Da habe ich viele Gebäude und Charaktere gemacht, wobei es bei den Charakteren vor allem die Überarbeitung war. Die Rohversionen kamen damals auch von einem anderen Unternehmen. Danach haben wir Roger & Out gemacht. Dafür habe ich alle Rüstungen gezeichnet. Das war eine Riesen-Arbeit, da die Rüstungen fünfteilig waren. Im aktuellen Travian: Kingdoms ist das etwas einfacher gehalten. Direkt nach Roger & Out ist die Entwicklung zu Travian: Kingdoms gestartet und ich kam sofort mit dazu.

Vom ersten Tag an dabei?

Vom ersten Tag an, da habe ich Skizzen für die Kornfelder gemacht.

Vielleicht an dieser Stelle zur Erklärung: Du hast eine Menge Dinge beschrieben, die Du bei Travian Games leistest. Was genau macht eigentlich ein klassischer Concept Artist?

Wenn man es ganz genau nimmt, macht ein Concept Artist nur die Design-Vorarbeit. Der macht Skizzen von den zukünftigen Charakteren oder Monstern. Wie sollen die später aussehen? An welchem Punkt im Spiel wird das eingesetzt? Passen die Mechanik und die Anatomie? Also eigentlich ist das erstmal ein bisschen Ideenfindung.

Danach kommen dann auch Farb-Themen dazu. Ein fertiges Game Asset macht ein Concept Artist im Normalfall nicht. Dafür gibt es Grafiker oder andere Zeichner und Illustratoren. Der Concept Artist ist also dafür da, dass er das Zeug designed. Das ist bei Travian Games ein bisschen anders. Wir werden alle universal eingesetzt. Ich bin in der Lage ein Game-Asset komplett fertig zu machen vom Design bis zum Einbau ins Spiel – und das wird hier auch gern genutzt.

Ist das nicht sogar schöner für Dich? Als Concept Artist machst Du ein Design und musst es dann weggeben. Danach hast Du keinen Einfluss mehr darauf, was aus Deinem Konzept wird. Am Ende kann es Dir passieren, dass aus Deinem Konzept etwas wird, was Dir überhaupt nicht gefällt.

Ja, das passiert Concept Artists recht oft, aber das ist Teil des Jobs, damit muss man leben. Was mir am meisten Spaß macht, ist tatsächlich diese Ideenfindung. Designs ausprobieren und gucken, wie das Später eingesetzt werden kann. Dann machst Du abends den Rechner aus, kommst am nächsten Morgen wieder und denkst „ah, was für einen Mist hab ich denn da gemacht“ (lacht).

In meinem Job sitze ich auch ab und zu da und mache tagelang nur Thumbnails, winzig klein in schwarz-weiß. Das hängt vielen zum Hals raus, weil es eben nicht so spannend ist. Das macht mir aber Spaß. Als reiner Concept Artist geht man dagegen ja meist unter. Du kreierst ja Dinge, die die meisten Menschen niemals sehen werden.

Hast Du bei einem typischen Film mal den Abspann gelesen? Die Concepter sind die, die ganz am Ende ganz klein da stehen. Dabei sind das die Leute, die das ganze Ding designed haben. Wie gesagt, bei Travian Games ist das zum Glück ein wenig anders. Hier mache ich vom Design bis zum fertig Game Asset in der richtigen Auflösung und Größe alles.
Mel&Stefan_Interview
Ist doch aber auch nett eigentlich, oder? Ein normaler Concept Artist macht seine Arbeit und wenn das Spiel dann in die Produktion geht, ist er weg.

Im Prinzip ist das klasse, ja. Aber speicher mal 180 Gebäude raus, es gibt echt spannendere Dinge im Leben. Es ist ganz nett, weil man einen Haufen dabei lernt. Das hat also seine Vor- und Nachteile. Der Anfang, der kreative Teil, das macht mir schon am meisten Spaß.

Heißt das, dass Du mit einem Auge schon schielst, was Travian Games denn als nächstes plant oder bleibst Du beim Team von Travian: Kingdoms?

Ich glaube, die Artists schielen alle ein bisschen darauf, was Travian Games als nächstes plant. Das ist immer spannend. Travian: Kingdoms ist für das Thema Art weitestgehend abgeschlossen. Mir liegt das Spiel sehr am Herzen, weil ich seit dem ersten Grashalm dabei bin. Ich würde mich trotzdem darüber freuen, wenn ich etwas Neues machen könnte.

Für die Leser, die jetzt denken, dass Concept Artist genau der richtige Job für sie ist: Was muss man da eigentlich genau können? Was muss man da gelernt haben? Wie läuft die Ausbildung?

Üben bis die Finger bluten (lacht). Es gibt keine offizielle Ausbildung für einen Concepter. Ich habe eine Game Design Schule hier in München besucht, die ein Allround-Programm angeboten hat. Da konnte man sich angucken, in welche Richtung man gehen wollte. Im Prinzip helfen gute Verbindungen und man muss es vor allen Dingen einfach können. Zeichnen können ist eben wichtig.

Es bringt ja nichts, wenn Du super Ideen hast und Du es dann bei der Anatomie oder der Farblehre versaust. Dann nimmt niemand Dein Design ernst. Auf der anderen Seite ist es natürlich blöd, wenn Du in Anatomie und Farblehre glänzen kannst, Dir aber die Idee und die Kreativität fehlen. Du solltest halt mehr können, als eine Kuh realistisch zu zeichnen.

Das wäre höchstens etwas für Diablo mit seinem Kuh-Level.

Ja, wobei die jetzt auch nicht so der Knaller waren. (lacht)

Du hast bestimmt als Kind mal mit Wasserfarben angefangen, wie wir alle. Wann hast Du zum ersten Mal daran gedacht: Oh, das könnte ich ja beruflich machen!

Mein Werdegang ist etwas im Zickzack verlaufen. Als ich ganz klein war, wollte ich immer Zeichentrickfilme bei Walt Disney machen. Damals wurde mir immer gesagt, dass das kein richtiger Job ist. Da verdient man kein Geld, das kannst Du nicht machen. Trotzdem wollte ich grob in die Richtung gehen. Ich bin dann ins Thema Grafik-Design eingestiegen. Ich habe meine Ausbildung in der Spieleindustrie gemacht und bin so direkt in diese Nummer reingerutscht.

Danach bin ich auf Webdesign umgestiegen – ich kann Dir nichtmal sagen, warum ich das gemacht habe. Auf jeden Fall war ich totunglücklich. Irgendwann bin ich dann im Internet über den Beruf des Concept Artist gestolpert. Mein erster Gedanke war: Ha, da kann man ja doch Geld mit verdienen!

Ich habe mich nach Ausbildungen erkundigt – die gab es nicht – und bin bei einer Schule gelandet. Mein damaliger Dozent an dieser Schule war bei Travian Games Art Director und hat nach Praktikanten gesucht. So bin ich hier gelandet. Und wenn man erst einmal einen Fuß in der Tür hat, am Ball bleibt und fleißig übt, dann klappt es auch. Übung ist extrem wichtig. Es langt nicht, wenn man nach der Arbeit denkt, dass man den Stift fallen lassen kann. Abends habe ich Kunstunterricht, ich bilde mich fort, am Wochenende mache ich eigene Projekte und all das dient der Übung.

Nächsten Donnerstag folgt dann der zweite Teil. Und falls ihr lieber spielen möchtet, statt zu lesen dann klickt doch einfach hier.

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